Mein Name ist Elfriede. Ich bin 74 Jahre alt. Meine Hände zittern jetzt, das merke ich morgens, wenn ich die Kaffeetasse halte. Aber mein Verstand ist klarer als je zuvor. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mich so deutlich daran erinnere, was meine Töchter mir angetan haben. Jedes Wort. Jeder Blick. Jede Lüge.
Es waren erst drei Wochen vergangen, seit ich Günther verloren hatte. Drei Wochen. Wie kann sich ein Mensch in drei Wochen so sehr verändern? Oder vielleicht haben sie sich nie verändert. Vielleicht wollte ich es einfach nicht sehen.
Alles begann zwei Tage nach Günthers Beerdigung. Ich hatte noch nicht einmal aufgehört zu weinen. Jede Ecke im Haus trug seinen Geruch. Morgenkaffee. Rasierschaum. Der Geruch von Zigaretten in seinem alten Ledersessel. Er hatte vor Jahren aufgehört, aber der Geruch war immer noch da.
Heute morgen sah ich Günthers altes Foto auf dem Nachttisch. Ich bin jetzt 75, und die Erinnerungen verblassen langsam wie alte Zeitungsseiten. Manchmal vergesse ich Dinge, aber sein Lächeln, seine warme Stimme - das bleibt für immer klar, als wäre es gestern gewesen.